Das war Drumsite 2018: Die Performances

Am 04. November fand im Düsseldorfer Live Music Club ZAKK der zweite Drumsite-Event unter dem Motto „Drumsite meets Cajon Day“ statt. Sechs Top-Drummer begeisterten das fachkundige Publikum mit spektakulären Auftritten, ebenso gab es während der Umbaupausen auf der Hauptbühne coole Darbietungen mit Session-Charakter in der Cajon-Lounge.

Natürlich gab es sehr viel Gelegenheit zu einem Drum-Talk mit den anwesenden Kollegen, und zudem konnten sich die Besucher an den Ständen der Aussteller über die neuesten Instrumentenentwicklungen direkt von den zuständigen Produktmanagern Informationen aus erster Hand holen. Viele Besucher waren übrigens mit ihren Kindern gekommen, die begeistert die Möglichkeit zum Testen der Instrumente nutzten. Vor allem die zahlreichen E-Drum-Sets von Herstellern wie Pearl, 2Box, Roland, Alesis und Yamaha hatten es dabei den Kids angetan.

Und auch bei den auftretenden Drummern waren gleich drei reine E-Drum-Sets am Start. Pünktlich um 13:30 Uhr eröffnete Dirk Brand mit einer seiner bekannt energiegeladenen Performance auf einem Roland TD-50 V-Drum-Set. Dirk ist bekannt als hart rockender Schlagzeuger, der allerdings auch mit vielen anderen Facetten überzeugen kann. Und er gab auch eine interessante Story zum Besten: Fast wäre er ein echter Popstar geworden, hatte er doch einst die Audition für die damals angesagt Boy-Band Caught In The Act bestanden und sollte deren Drummer werden! Leider beschloss die Band jedoch, sich ein paar Tage später aufzulösen. Vielleicht aber auch ganz gut so, denn so ist Dirk heute ein stilistisch äußerst vielseitiger Schlagzeuger, der kernigen Hardrock mit Axxis und virtousen Prog mit Subsignal ebenso gut zu interpretieren weiß wie jazzy funky Blues mit dem Gregor Hilden Organ Trio – und heute noch gelegentlich mit dem ehemaligen „Caught In The Act“-Sänger Benjamin Boyce im Studio arbeitet. Bei seiner Drumsite-Performance zeigte Dirk seine musikalische Vielseitigkeit, und wie man für die unterschiedlichsten Styles mit E-Drums immer die passenden Sounds zu den Songs liefern kann.

Präsentiert von Evans Fellen und Promark Drumsticks folgte mit Claus Hessler dann ein Schlagzeuger, der auch international vor allem als so genannter Clinician und Educator große Erfolge weltweit feiern kann – in den USA und Kanada ebenso wie in ganz Europa und in China wie auch Indonesien. Seine Lehrbücher „Open Handend Playing“ , „Daily Drumset Workout“, Drumming Kairos“ und „Camp Duty Update“ sind auch auf Englisch erschienen und als intensive Lehrmethoden für modernes Drumming wie auch der traditionellen Rudiments renommiert und mit internationalen Preisen honoriert worden. Bei Drumsite 2018 allerdings legte Claus den Fokus komplett auf die Musik und zeigte bei einigen Playback-Songs (u. a. von seiner aktuellen Band Flux) und virtuosen Drum-Soli mit seinem mitreißenden, stilistisch vielseitigem Schlagzeugspiel, was alles mit einer fundierten Spieltechnik musikalisch möglich ist. Und so gelang es Claus einmal mehr, ein staunendes Publikum zu begeistern.

War es eigentlich schon interessant genug, das ausgerechnet eine deutsche Rock-Drummer-Legende wie Charly T. bei Drumsite seine knackigen Grooves und Beats auf einem Alesis Strike Pro E-Drum performen spielen wollte, so überraschte er am Drumsite-Morgen unsere Haus-Techniker mit einer kleinen Programmänderung: Spontan hatte er mit dem renommierten DJ Roman Böer (bekannt als Tocadisco) eine Drummer/DJ-Performance entwickelt und präsentierte bei Drumsite einen coolen Jam mit interessanten Interaktionen von DJ Beats und Samples mit Drummer-Grooves und E-Drum-Effect-Sounds (assistiert von Jörg Shaby Pelzer von Alesis). Rockende Beats und funky Grooves im neuen Sound-Design hatte man gerade von einer Rock-Drummer-Legende wie Charly T. so nicht unbedingt erwartet. Allerdings wissen Insider genau, dass für ihn musikalischer Stillstand ein Fremdwort ist und dass Charly T. in Sachen Drums und Drumming immer für eine Überraschung gut ist.

Auch der von Rohema Percussion präsentierte Schlagzeuger Stephan Emig konnte mit seiner Drumsite-Performance selbst so einige Szene-Insider noch überraschen. An seinem Hybrid-Set aus Drums und Percussion zelebrierte er eine dynamisch außerordentliche Darbietung, die filigrane Percussion-Sounds ebenso beinhaltete wie donnernde Tom-Grooves – und alle Facetten dazwischen. Stephan begeisterte das Drumsite-Publikum u. a. mit einigen nur mit den Händen auf dem Set gespielten Momenten, einer Hybrid-Performance von Cajon und Drumset und der stilistischen Vielseitigkeit seiner Musik. Stephan spielte zu Songs seines renommierten Jazz-Trios trioscence ebenso wie zu den modernen Pop-Songs mit elektronischen Elementen seines neuen Band-Projekts Planting Robots und wusste in jedem Style zu glänzen. Stephan ist ein wirklich universeller moderner „Schlagwerker“ der als Percussionist ebenso überzeugt wie als Drummer. Stephan versteht es außerordentlich gut, beide Klangwelten zu einem einzigen Musikinstrument bzw. Orchester zu vereinen – und dass dann auch noch mit einer bemerkenswerten eigenen Groove-Ästhetik, die den Vergleich mit renommierten internationalen Top-Drummern nicht zu scheuen braucht.

Dass man mit modernen E-Drums auch dynamische Bandbreite und filigrane Sounds sehr gut spielen und zu Gehör bringen kann, zeigte anschließend der von Pearl Drums präsentierte spanische Top-Drummer Miguel Lamas mit einer hochenergetischen und virtuosen Performance auf dem neuen Pearl eMerge E-Drum-System. Erstaunlich war hier nicht nur Miguels enorme dynamische Bandbreite, welche die neuen E-Drums tatsächlich wiedergaben, sondern auch seine scheinbar mühelos dargebrachte virtuose Spieltechnik, mit der er seine Grooves und Soli zelebrierte. Stilistisch zuhause in Jazz- und Fusion-Styles erweitert Miguel seine Repertoire mit einem stets zugrundeliegenden imaginären „Latin-Flow“ der selbst die virtuosesten Passagen mit einer gewissen musikalischen Leichtigkeit versieht, die dem Ganzen stets ein „mediterranes“ Flair von Gelassenheit und gleichzeitiger Tiefe verleiht. Miguel Lamas ist offensichtlich auf dem besten Weg, einen völlig eigenen Style virtuosen Fusion-Drummings zu entwickeln.

Zum Abschluss der Drumsite 2018 präsentierte Yamaha Drums Roy Knauf, Drummer und Musical Director von Marteria, Im „zweiten Leben“ (wi er sat) dann auch noch Produzent von u.a. Deichkind. Dies war Roys erste Performance bei einem Drummer-Event, und er hatte dazu einen Workshop ausgearbeitet, in dem er u. a. zeigte, wie er mit seinem Acoustic/Electro-Hybrid-Drumset die Sound- und Groove-Gestaltung der Live-Drums der Marteria-Konzerte vornimmt, um so jedem Song bzw. Groove „ein eigens Gesicht“ zu verleihen. Hierzu demonstrierte er jeweils die „normalen“ Sounds des Acoustic Drumset und die zu Snaredrum- und Kick zusätzlich jeweils eingesetzten getriggerten Samples bzw. die auf einem Multipad abrufbaren Sounds. Zudem gab Roy so einige interessante Einblicke in seinen musikalischen Background und gab Tipps, wie man er mit einem Bassisten Grooves eingeübt hat, um so im musikalischen Zusammenhang das Verständnis für den Mitmusiker zu entwickeln. Das tiefergehende musikalische Verständnis ist Roy eine Herzenssache und so zeigte er zum Schluss noch einmal, wie er zu einer Live-Version aus dem Ostsee-Stadion in Rostock Marterias Show-Opener „Aliens“ mit seinem mächtig drückendem Groove interpretiert.

Mit großartigen und musikalisch abwechslungsreichen Drum-Performances begeisterten sechs Top-Drummer das Publikum der Drumsite 2018 und gaben allen viel Inspirierendes mit auf den Weg nach Hause. Außerdem konnten die Drumsite-Besucher viele wertvolle Informationen seitens der ausstellenden Hersteller mitnehmen.

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